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Der Ruhrpott-Derby-Skandal

14.09.2008

3:3 stand es in der 91. Minute, als Schiedsrichter Wagner überraschend das Ruhrpott-Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 abpfiff. Während die Königsblauen den Kopf hängen ließen, wurde der späte Ausgleich in der 89. Spielminute von den Borussen gefeiert wie ein Sieg. Hauptdarsteller des Spiels war jedoch Schiedsrichter Wagner und seine Assistenten. Als dieser den Platz verlassen wollte, stand Schalkes Abwehrspieler Rafinha mit erhobenem Zeigefinger vor ihm, PREMIERE-Moderator Marcel Reif faselte dabei irgendetwas von „Rudelbildung“ - der krönende Abschluss eines irren Nachmittags.

Bis zur 67. Spielminute sah alles nach einem Debakel für Borussia Dortmund aus. Beim Stand von 0:3 kam es zu einem überraschenden Ehrentreffer von Subotic, welcher bis dato nicht gerade seinen besten Tag hatte. Kuranyi hatte 4 Minuten zuvor die Chance zum 4:0 ausgelassen und Schalke war sich seiner Sache ziemlich sicher.

2 Meter im Abseits

Kurz darauf fiel das 2:3 nachdem Alexander Frei – mindestens 2 Meter im Abseits stehend – von Tinga angespielt wurde und dann Ball ins Tor hämmerte. Warum der Assistent von Schiedsrichter Wagner die deutliche Abseitsposition von Alexander Frei aus geringer Distanz nicht erkannte, ist eines von vielen Geheimnissen dieser Begegnung.

2 Platzweise gegen Schalke 04

Danach überschlugen sich die Ereignisse: Christian Pander holte sich mit 2 Frustfouls zurecht die gelb-rote Karte ab. 3 Minuten später grätschte Ernst seinen Gegenspieler Blaszczykowski um. Wohl auch eine klare Rote Karte, trotzdem wunderte mich, dass auch nach Ansicht der TV-Bilder niemand anerkennen wollte, das Fabian Ernst ausgerutscht war, und seinen Gegner wohl nicht in dieser Form umsäbeln wollte.

Bad Guy of the Match: Rafinha

Zu diesem Zeitpunkt konnten die Schalker ohnehin froh sein, dass Rafinha immer noch auf dem Platz war. Schon in der ersten Halbzeit hatte es eine Tätlichkeit gegen Valdez gegeben. Hier gab Wagner nur gelb und einen Freibrief für weitere Unsportlichkeiten. Man wunderte sich außerdem, dass Trainer Rutten nicht mit einer Auswechslung reagierte - Rafinha war „dunkelgelb“ und foulte munter weiter. Nach Party-Eskapaden, einer umstrittenen Olympia-Teilnahme, Beifall zu Verwarnungen von Gegenspielern und seinem Auftreten in diesem Spiel hat der kleine Brasilianer - „so gross wie ein Marmeladeneimer“ (Zitat Andreas Müller, Manager von Schalke 04) – selbst unter Schalke-Fans einen schweren Stand.

Ferndiagnose von Schiedsrichter Wagner

In der 89. Spielminute beim Spielstand von 2:3 dann der entgültige Eklat: Schiedsrichter Wagner entschied auf Handelfmeter gegen Mladen Kristajic , nachdem Blaszczykowski den Serben aus ca. 2 Meter angeköpft hatte. Aufgrund der geringen Distanz und der daraus resultierenden geringen Reaktionszeit, einer nicht vorhandenen Bewegung der Hand zum Ball kein absichtliches Handspiel - ob er überhaupt mit der Hand den Ball berührte, ist nach Ansicht der TV-Bilder unklar. Besonders brisant: Wagner entschied aus 30m Distanz für einen spielentscheidenden Elfmeter in der vorletzten Minute, obwohl der deutlich besser positionierte Assistent die Fahne nicht erhob. Außerdem hätte er den Schalker dann konsequenterweise mit Gelb verwarnen müssen. Aber das kann man im Eifer des Gefechts auch mal vergessen.

Nachspielzeit?

Und warum hat Schiedsrichter Wagner das Spiel eigentlich nach 90 Minuten abgepfiffen, obwohl man in diesem Spiel sogar mehr als die üblichen 3-4 Minuten Nachspielzeit annehmen würde? Lutz Michael Fröhlich, hauptamtlicher Leiter der Abteilung Schiedsrichter beim DFB vermutete im Doppelpass verständnisvoll, sein Kollege wollte wohl „…irgendwie aus dem Spiel rauskommen…“. Obwohl Fröhlich dem Schiedsrichtergespann eine interne Aufarbeitung in Aussicht stellte, verwies er auch auf den besonderen Unterhaltungswert der Partie.

Fazit: Skandal!

Das Ruhrpott-Derby in Dortmund ist ein Skandal - Wettbetrugs-Fantasien kann man sich gerade noch so verkneifen. Am 21. Februar wird das Rückspiel auf Schalke stattfinden, vielleicht wieder mit Schiedsrichter Wagner. Auch dann hoffen wir wieder auf so viel Unterhaltungswert.
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