
Balljunge
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Friedrichs Lästerattacke
22.10.2009
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Es war einmal ein Hauptstadtverein, in dem sich alle lieb hatten: der Trainer die Mannschaft, die Mannschaft die Fans, die Fans den Trainer, der Trainer die Fans, die Fans die Mannschaft, kurzum: Harmonie und Teamgeist in Blau-Weiß. Eine Grundlage für die märchenhafte Saison 2008/2009 von Hertha BSC.
Normalerweise gehört an das Ende ein „Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute in Harmonie und Liebe beieinander“. Leider ist das ein Satz, der komplett konträr zu Hertha jetziger Situation ist. Nach der Suspendierung des Trainerstabs Favre/Gämperle sollte Friedhelm Funkel die Hertha aus der Krise führen. Funkel war bereits abstiegskampferprobt, hatte er doch die Eintracht vor dem Abstieg aus der höchsten deutschen Spielklasse bewahrt und sie fünf Spielzeiten lang in Liga eins gehalten. Funkel kam, mit ihm jedoch (noch) nicht die Wende. Unter dem kernigen Mann aus dem rheinischen Neuss verlor Hertha weiter jedes Spiel und verblieb auf dem letzten Tabellenplatz mit nur drei mageren Pünktchen.
Zusätzlich zur sportlich miesen Situation kommt das Zerwürfnis innerhalb des Vereins. Der Vorstand streitet sich mit dem ehemaligen Trainer Lucien Favre und wirft ihm vereinsschädigendes Verhalten vor. Es folgte die fristlose Entlassung und der Schweizer wird vor Gericht um sein Geld kämpfen müssen. Vielleicht trifft er dann dort auch Patrick Ebert, dem nach seinen vermutlichen Tritten gegen Autospiegel nun auch noch ein Gerichtsverfahren droht. Legt Ebert Widerspruch gegen den Strafbefehl über 50.000 Euro ein, muss er vor den Richter treten.
Ein anderer Problemfall im Team ist Arne Friedrich. Besser gesagt, ein anderes Problem mit dem Team hat Arne Friedrich. Der Hertha-Kapitän muss an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen. Mannschaftsintern jagt er einen Maulwurf, der Informationen von innerhalb der Mannschaft nach außen dringen lässt, muss die Mannschaft motivieren, sich mit der Presse rumschlagen und sich gegen die Fans verteidigen, die nun langsam beginnen, unruhig und aufgebracht zu regieren. So stellte er sich nach der 0:3-Niederlage in Nürnberg in einem 20-minütigen Gespräch erneut den Fans - eigentlich eine beispielhafte Aktion. In diesem Fall allerdings hat ein vorschneller Fan die ganze Sache aufgenommen und auf youtube.com online gestellt. Wäre nicht weiter schlimm, wenn Herr Friedrich nicht über seinen Mitspieler Patrick Ebert geredet hätte und dies nicht lobend.
„Ebert kämpft, alles schön und gut. Aber, dass er vor dem zweiten Tor den Ball verliert, das seht ihr wieder nicht“. Eine Aussage, die, alleinstehend, durchaus für Stress sorgen kann. Allerdings völlig aus dem Zusammenhang gerissen ist. Die Fans forderten von Friedrich und Co. denselben Kampfgeist wie bei Patrick Ebert. Auch sind die „Patrick Ebert“-Sprechchöre die einzigen, die nach einem Spiel aus der Fankurve klingen, auch wenn, wie Friedrich richtig festgestellt hat, Ebert alles andere als gut spielt. Verständlicherweise erwartet der Kapitän etwas Objektivität von den Fans in diesem Fall. Inzwischen hat der Filmer das Video zurückgezogen und sich bei Arne Friedrich entschuldigt: „Ich habe das Fan-Gespräch lediglich ins Internet gestellt, da ich zeigen wollte, dass Friedrich wie ein echter Kapitän gehandelt hat und sich als einer von nur zwei Spielern den Fans stellte. Jeder, der dieses Video sieht, wird Friedrichs Reaktion nachvollziehen können. Ich werde so etwas nie wieder tun."
Hoffen wir, dass nun endlich etwas Ruhe in die skandalgebeutelte Hauptstadtdiva kommt und mit dieser Ruhe vielleicht auch der sportliche Erfolg.
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