
Stammspieler
Posts: 332 |
|
TSG Hoffenheim 1899 - eine Millionärs-Spielwiese
06.10.2008
|
3.300 Einwohner zählt die Gemeinde Hoffenheim. Zu Beginn der 90er Jahre spielte die TSG noch auf einem katastrophalen Rasenplatz und hatte sich zwischen Bezirks- und Kreisliga aufgerieben. Tradition kann man dem 1899er-Club also nicht absprechen – für den sportlichen Erfolg wurde jedoch kräftig nachgeholfen.
Dietmar Hopp, SAP-Milliardär und „begeisterter Förderer der Jugend“ steht auf Platz 799 der reichsten Menschen der Welt (Forbes, 2007) und hat - vielleicht in Aufarbeitung seiner durchwachsenen Kindheitserinnerungen an seine aktive Zeit in der Kreisliga-A-Jugend der TSG Hoffenheim mittlerweile 100 Millionen Euro in den Verein investiert, davon ca. 50 Millionen in ein neues Stadion.
Zum Vergleich: Sein entfernter Spielkamerad Roman Abramowitsch, 15. auf der besagten Weltrangliste hatte sich 2003 den FC Chelsea für 700 Millionen Pfund gekauft und 600.000.000 Euro in Spieler investiert. Die TSG Hoppenheim ist also eine Nummer kleiner ausgefallen.
Mit Trainer Hansi Flick, dem heutigen Assistenten von Bundestrainer Joachim Löw, schaffte man es 2001 bis in die Regionalliga. Ein paar Jahre später holte man den Fußball-Professor Ralf Rangnick, der es schon Ende der 90er Jahre mit dem SSV Ulm vorgemacht hatte und nun noch einmal vollbrachte: Den Durchmarsch von der Dritten Liga bis ins Fußball-Oberhaus.
Wettbewerbsverzerrung?
Das man hier mit viel Geld nachgeholfen hat, gefällt den meisten Fussball-Fans nicht - aber wenn man dem Club vorwirft, man hätte sich den Erfolg gekauft, dann muss dieser Vorwurf für alle Mannschaften gelten, die ihren sportlichen Erfolg mit Geld manifestieren. Es wurden hier nicht schnell Superstars zusammengekauft, wie anderswo - der Club hat auf junge Talente gesetzt und gilt in Sachen Jugend-Förderung als Top-Adresse. Die Scouting-Abteilung hat scheinbar gute Arbeit geleistet: Eduardo, Ba oder Luiz Gustavo konnte man trotz anderer hochklassiger Angebote (Premier League etc.) überzeugen, nach Deutschland zu kommen. Mit Geld – aber auch mit einer interessanten sportlichen Perspektive: auf dem Rasen und nicht auf der Bank. Hoffenheims Kader ist mit einem Altersdurchschnitt von 24 Jahren der jüngste in der Bundesliga, sein Marktwert wird auf 32,6 Millionen Euro geschätzt – das ist etwa ein Zehntel des FC Bayern.
Retortenclub ohne Zuschauer?
Man sehe sich ja nicht als Dorfclub Hoffenheim sondern als Mannschaft der „Rhein-Neckar-Metropole“ mit 2,4 Millionen Einwohnern, sagt Hopp. Und immerhin liegt der Heimspiel-Zuschauerschnitt mit 26.000 noch vor so manchen Traditionsclub und Bayer Leverkusen. Wo diese ganzen Fans auf einmal herkommen, müsste mir mal jemand erklären.
Offensivfussball mit hohem Unterhaltungswert
Ob man wie Heribert Bruchhagen lieber die 1860er aus München oder den 1. FC Kaiserslautern in der ersten Liga sehen würde, halte ich jedoch für Geschmackssache. Spätestens seit dem 4:5 gegen Werder Bremen kann keiner mehr bestreiten, dass Hoffenheim nicht wenigstens eine sportliche Bereicherung für die Bundesliga darstellt. Nicht auszudenken, wenn am Ende der Saison eine Traditionsmannschaft weniger im internationalen Wettbewerb spielt.
|