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10.07.2018 15:01 Uhr | Quelle: WahreTabelle exklusiv

„Die WM-Schiedsrichter machen einen sehr guten Job“

Interview mit Ex-Referee und Sky-Experte Peter Gagelmann

Gagelmann_Peter_WTHannover
Quelle: Imago Sportfoto
Peter Gagelmann (r.) als Referent für WahreTabelle in Hannover.

Peter Gagelmann (50) blickt auf eine große Schiedsrichter-Karriere zurück. Der Referee aus Bremen stieg mit der Partie MSV Duisburg gegen Arminia Bielefeld am 32. Spieltag der Saison 1999/2000 in die Fußball-Bundesliga auf.

Insgesamt leitete Gagelmann bis zu seinem altersbedingten Abschied 2015 insgesamt 214 Spiele in der deutschen Fußball-Eliteliga. Dazu kamen das Bundesliga-Relegationsspiel 2010/2011 und das DFB-Pokalfinale 2012 mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern München (5:2). Insgesamt pfiff der Mann vom ATSV Sebaldsbrück 57 Elfmeter und sprach 50 Platzverweise aus.

Im Exklusiv-Interview mit WahreTabelle-Redakteur Carsten Germann erklärt Peter Gagelmann seine neue Arbeit als Experte beim Münchner Pay-TV-Sender Sky und blickt auf die Schiedsrichterleistungen bei der WM in Russland und in der Fußball-Bundesliga.

WahreTabelle: Peter Gagelmann, wie sehen Sie bisher die Schiedsrichterleistungen bei der WM?

Peter Gagelmann (50): Ich finde, die Schiedsrichter machen einen guten Job. Die Erwartungshaltung vieler war eine andere. Sie haben viele Kritiker Lügen gestraft und das ist aus Schiedsrichter-Sicht immer toll. Es gab sicher viele Situationen, in denen man diskutieren konnte, aber sicher hat auch das Video-System reibungslos funktioniert. Im Großen und Ganzen muss man sagen: Großes Kompliment an die Leitung des FIFA-Schiedsrichterteams, die die Unparteiischen sehr gut eingestellt haben.

Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen dem zur WM neu eingesetzten Video-Assistenten und den Schiedsrichtern aus Ihrer Sicht auf dem Rasen?

Gagelmann: Sicher können wir bei zwei Handspiel-Situation sagen: Das wurde unterschiedlich bewertet, aber diese Diskussion werden wir immer haben. Grundsätzlich jedoch war der Maßstab, nur bei gravierenden, klaren Fehlern, die eben der Schiedsrichter auf dem Feld anders wahrgenommen hat, einzugreifen. Das finde ich sehr gut, sehr maßvoll zu agieren – und den Schiedsrichter eben nicht bei jeder Szene in die Review-Area zu schicken, sondern maßvoll mit der Situation umzugehen. Das ist der richtige Weg.

Welcher Schiedsrichter hat Sie bisher bei der WM am meisten überrascht?

Das sind die Schiedsrichter, die man vielleicht gar nicht so sehr auf dem Zettel hatte! Der Iraner Alireza Faghani hat mir sehr gut gefallen, auch schon im ersten Spiel, Deutschland gegen Mexiko. Er leitete auch Serbien gegen Brasilien und er löst das mit einer sehr starken Persönlichkeit. Der eine oder andere ist mit großer Theatralik dabei, aber das wissen wir bei Weltmeisterschaften. Dennoch ist die Grundeinstellung der Schiedsrichter sehr gut, sie lassen viel laufen und sie greifen nicht zu sehr ins Spiel ein. Das machen sie gut!

Umgekehrt gefragt: Welcher Referee hat am meisten enttäuscht?

Einen richtig großen Leistungsabfall haben wir wirklich nicht gehabt. Ich habe nicht alle Spiele sehen können, aber es gab keinen Ausreißer nach unten.

Wem trauen Sie das Finale am 15. Juli in Moskau zu?

(lacht) Das ist noch zu weit weg! Es wird sich zeigen, ob auch ein Schiedsrichter, der ein Achtel- oder Viertelfinale geleitet hat, auch für das Finale am kommenden Sonntag infrage kommt.

Stichwort Bundesliga. Wichtigste Frage ist natürlich: Warum funktioniert der Video-Beweis in der Bundesliga nur mit Einschränkungen – während bei der WM alles nahezu reibungslos abläuft?

Wir waren in der Bundesliga sozusagen die Vorreiter! Wir mussten Maßstäbe setzen und diese wurden zwischendurch nicht gut geführt und aus diesen Erfahrungen hat man aus den bestimmten Ländern, die das Experiment „Video-Schiedsrichtern“ in ihren Ländern ausprobiert haben, gelernt und die FIFA hat aus meiner Sicht einen guten Job gemacht. Sie hat die eingebrachten Erfahrungen für die Vorbereitungen zur WM genutzt.

Richtig. Der Video-Beweis wird bei der WM mit einer gewissen Unaufgeregtheit ins Spiel gebracht. Das war in der Bundesliga subjektiv gesehen über weite Strecken nicht so. Wie sehen Sie es?

Es war zunächst so, dass die Öffentlichkeit sehr negativ an diese Situation heranging und dass man auf Fehler gewartet hat. Es wurden Situationen als negativ dargestellt, die nicht negativ waren und die Video-Assistenten-Szenen, die gut waren, wurden – wie es immer so ist – einfach als normal gesehen. Ich glaube, dass der Video-Assistent in der Bundesliga nicht so schlecht ist wie sein Ruf. Dennoch war die Hinserie um einiges unangenehmer als die Rückrunde, die besser verlief. Man hat die Erfahrungen aus der Hinrunde eingebracht und hat in der zweiten Halbserie Ruhe in die Spielleitung gebracht.

Welche Szenen waren in der abgelaufenen Bundesliga-Saison aus Ihrer Sicht die kniffligsten – trotz Video-Beweis?

Schwierig! Ich habe keine Szene exemplarisch vor Augen. Wir haben sehr, sehr gute Dinge gehabt – gerade bei Abseits-Situationen.

Welcher Bundesliga-Schiedsrichter konnte aus Ihrer Sicht überraschen?

Überrascht haben mich die Neulinge, Sven Jablonski, Martin Petersen und Sören Storks. Nein, anders: Sie haben mich überzeugt! Die Entscheidung der Kommission, diese Schiedsrichter in die Bundesliga zu holen, war richtig. Sie haben sehr gut und unaufgeregt gepfiffen und das freut mich total!

….und Bibiana Steinhaus?

Auch! Sie ist ein wichtiger Teil dieser Truppe. Ein Riesen-Kompliment an Bibi, wie sie mit der enormen Fokussierung ihrer Person durch die Medien umgegangen ist. Dieser extrem starke Fokus auf ihre Persönlichkeit, das gab es in der Schiedsrichterei in dieser Form noch nie und das hat sie souverän gemeistert und toll abgearbeitet.

 

Sie arbeiten seit 2015 für den Pay-TV-Sender und Bundesliga-Rechteinhaber Sky. Wie wichtig ist Regelkunde für Sportjournalisten? Auch bei der WM war und ist dies ein heißes Thema!

Absolut wichtig! Das wird seit einigen Jahren gemacht. Sky macht vor der Saison immer einen Workshop für die Kommentatoren mit einem Mitglied der Schiedsrichterkommission. Da wird vieles erklärt und es wird auch sehr stark diskutiert. Wenn Dr. Markus Merk und ich an den Spieltagen in München sind, werden viele Fragen im Vorfeld besprochen. Es gibt viele lernwillige Kommentatoren.

Greift man dabei auch Szenen aus der zurückliegenden Fußballwoche auf?

Ja! Häufig kommen Fragen wie „Wie ist das regeltechnisch bei dieser Szene?“ oder „Wie hast du dieses Tor gesehen?“, das haben wir immer wieder.

Was unterscheidet die Arbeit bei Sky von der des Schiedsrichters auf dem Platz?

(lacht) Es ist auf jeden Fall nicht ganz so sportlich! Das ist der große Unterschied. Es ähnelt sich insofern, als dass man sofort entscheiden muss. Nach wie vor ist es ähnlich wie früher auf dem Platz: Als Schiedsrichter würde ich für mich nie in Anspruch nehmen, dass, wenn ich die Bilder in Sekundenschnelle begutachte, nicht alles richtig sehe. Manchmal bekommt man auch die richtigen Perspektiven erst später. Aber dennoch ist es gut, den Zuschauern und den Fußballfans die Szenen regeltechnisch zeitnah zu erklären.

Ihr Kommentar und auch der von Dr. Markus Merk zu den Szenen fließen oft auch in unsere aktuelle Bundesliga-Berichterstattung bei WahreTabelle ein…

Wird das dann auch stark diskutiert in der Community?

Ja. Wenn zum Beispiel in der Halbzeit eine Szene bereits strittig gestellt wird, heißt es oftmals direkt „Gagelmann sagt: Kein Elfmeter“, etc. Das wirkt polarisierend und es ist immer ein Ansatzpunkt. Welche Szene wurde denn im Sky-Kollegenkreis besonders diskutiert?

Es sind häufig die Handspiel-Diskussionen. Das Stindl-Handspiel war ein Riesen-Thema. Da bin auch ich der Meinung: Nachdem ich die Bilder gesehen hatte, war für mich das Urteil: Kein absichtliches Handspiel. Wenn man die Bilder sieht, ist es in der Öffentlichkeit schwer vermittelbar, da zu sagen, dass das kein Handspiel ist.

Welches waren für Sie die wichtigsten Erlebnisse als Bundesliga-Schiedsrichter? Welche Szenen sind haften geblieben?

Es war faszinierend, selbst zu erleben, wie groß der Fokus auf den Bundesliga-Schiedsrichter ist. Der Unterschied zwischen erster und zweiter Liga ist riesig und diese Fokussierung ist beeindruckend. Es sind viele Szenen hängen blieben, die oft auch in der Öffentlichkeit gar nicht so wahrgenommen wurden. Beispiel: Eine besonders gute Team-Leistung. Wenn man ein Pokalendspiel leitet, sieben Tore gefallen sind und niemand über den Schiedsrichter diskutiert hat, dann macht einem das froh und man ist dankbar, die Chance bekommen zu haben. Das sind Spiele worauf man die vielen Jahre draufhinarbeitet.

Welche Spieler waren leicht zu handeln, welche nicht?

Das ist schwierig! Mir haben die markanten Spieler, die in der Öffentlichkeit auch so dargestellt wurden, immer viel Spaß gemacht, weil man sich daran reibt und als Schiedsrichter immer daran gemessen wird, wie man Führungsspieler im Griff hat. Da möchte ich exemplarisch keine Namen nennen. Die Leitfiguren einer Mannschaft sind aber immer eine große Herausforderung und wenn man diese Spielertypen „auf seine Seite“ hat, hat man auch das Spiel im Griff.

Zum guten Schluss… wollen wir ein paar Reporter-Floskeln vom Ex-Schiedsrichter entlarven lassen…„Das ist internationale Härte“

(lacht) Ja! Es gibt eine internationale Spielweise und eine dementsprechende Spielleitung – und eine nationale Spielweise und die entsprechende Leitung. Das sieht man bei Mannschaften, die in der Bundesliga und international spielen. International legen sie ganz andere Verhaltensweisen an den Tag. Das geht von Simulationen über das Hineininterpretieren von Dingen. In der Champions League laufen diese Dinge oft etwas anders. Somit ist auch die Spielleitung entsprechend anders. In der Champions League kann ich das Spiel viel besser laufen lassen, das kann ich als Schiedsrichter bei Mannschaften, die nicht das technisch hohe Niveau haben, nicht machen.

„Das wird in England nicht gepfiffen“…

Das spiegelt das eigentlich wider: Verhaltensweisen der Spieler. Wenn man mit Spielern diskutiert, die in England gespielt haben wie Markus Babbel oder Didi Hamann, die können das sehr gut nachempfinden, dass Verhaltensweisen und Unsportlichkeiten von den Fans in England anders verurteilt werden als in Deutschland.

„Da ist das Fingerspitzengefühl des Schiedsrichters gefragt“…

Auch das ist ein Klassiker! Natürlich muss man ein Gefühl haben für eine Spielsituation und für die Lage eines Spielers. Das wird dann gern als Fingerspitzengefühl interpretiert – von Reportern, aber auch von Offiziellen und Spielern, die eigentlich ein Fehlverhalten an den Tag legen und dann vom Schiedsrichter ein „Fingerspitzengefühl“ einfordern.

„Das muss der Schiedsrichter sehen!“…

Das muss er doch sehen (lacht)! Diese Floskel wird in Zukunft weniger, weil wir ja den Video-Schiedsrichter haben…

Peter Gagelmann (50) blickt auf eine große Schiedsrichter-Karriere zurück. Der Referee aus Bremen stieg mit der Partie MSV Duisburg gegen Arminia Bielefeld am 32. Spieltag der Saison 1999/2000 in die Fußball-Bundesliga auf.

Insgesamt leitete Gagelmann bis zu seinem altersbedingten Abschied 2015 insgesamt 214 Spiele in der deutschen Fußball-Eliteliga. Dazu kamen das Bundesliga-Relegationsspiel 2010/2011 und das DFB-Pokalfinale 2012 mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern München (5:2). Insgesamt pfiff der Mann vom ATSV Sebaldsbrück 57 Elfmeter und sprach 50 Platzverweise aus.

Im Exklusiv-Interview mit WahreTabelle-Redakteur Carsten Germann erklärt Peter Gagelmann seine neue Arbeit als Experte beim Münchner Pay-TV-Sender Sky und blickt auf die Schiedsrichterleistungen bei der WM in Russland und in der Fußball-Bundesliga.

WahreTabelle: Peter Gagelmann, wie sehen Sie bisher die Schiedsrichterleistungen bei der WM?

Peter Gagelmann (50): Ich finde, die Schiedsrichter machen einen guten Job. Die Erwartungshaltung vieler war eine andere. Sie haben viele Kritiker Lügen gestraft und das ist aus Schiedsrichter-Sicht immer toll. Es gab sicher viele Situationen, in denen man diskutieren konnte, aber sicher hat auch das Video-System reibungslos funktioniert. Im Großen und Ganzen muss man sagen: Großes Kompliment an die Leitung des FIFA-Schiedsrichterteams, die die Unparteiischen sehr gut eingestellt haben.

Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen dem zur WM neu eingesetzten Video-Assistenten und den Schiedsrichtern aus Ihrer Sicht auf dem Rasen?

Gagelmann: Sicher können wir bei zwei Handspiel-Situation sagen: Das wurde unterschiedlich bewertet, aber diese Diskussion werden wir immer haben. Grundsätzlich jedoch war der Maßstab, nur bei gravierenden, klaren Fehlern, die eben der Schiedsrichter auf dem Feld anders wahrgenommen hat, einzugreifen. Das finde ich sehr gut, sehr maßvoll zu agieren – und den Schiedsrichter eben nicht bei jeder Szene in die Review-Area zu schicken, sondern maßvoll mit der Situation umzugehen. Das ist der richtige Weg.

Welcher Schiedsrichter hat Sie bisher bei der WM am meisten überrascht?

Das sind die Schiedsrichter, die man vielleicht gar nicht so sehr auf dem Zettel hatte! Der Iraner Alireza Faghani hat mir sehr gut gefallen, auch schon im ersten Spiel, Deutschland gegen Mexiko. Er leitete auch Serbien gegen Brasilien und er löst das mit einer sehr starken Persönlichkeit. Der eine oder andere ist mit großer Theatralik dabei, aber das wissen wir bei Weltmeisterschaften. Dennoch ist die Grundeinstellung der Schiedsrichter sehr gut, sie lassen viel laufen und sie greifen nicht zu sehr ins Spiel ein. Das machen sie gut!

Umgekehrt gefragt: Welcher Referee hat am meisten enttäuscht?

Einen richtig großen Leistungsabfall haben wir wirklich nicht gehabt. Ich habe nicht alle Spiele sehen können, aber es gab keinen Ausreißer nach unten.

Wem trauen Sie das Finale am 15. Juli in Moskau zu?

(lacht) Das ist noch zu weit weg! Es wird sich zeigen, ob auch ein Schiedsrichter, der ein Achtel- oder Viertelfinale geleitet hat, auch für das Finale am kommenden Sonntag infrage kommt.

Stichwort Bundesliga. Wichtigste Frage ist natürlich: Warum funktioniert der Video-Beweis in der Bundesliga nur mit Einschränkungen – während bei der WM alles nahezu reibungslos abläuft?

Wir waren in der Bundesliga sozusagen die Vorreiter! Wir mussten Maßstäbe setzen und diese wurden zwischendurch nicht gut geführt und aus diesen Erfahrungen hat man aus den bestimmten Ländern, die das Experiment „Video-Schiedsrichtern“ in ihren Ländern ausprobiert haben, gelernt und die FIFA hat aus meiner Sicht einen guten Job gemacht. Sie hat die eingebrachten Erfahrungen für die Vorbereitungen zur WM genutzt.

Richtig. Der Video-Beweis wird bei der WM mit einer gewissen Unaufgeregtheit ins Spiel gebracht. Das war in der Bundesliga subjektiv gesehen über weite Strecken nicht so. Wie sehen Sie es?

Es war zunächst so, dass die Öffentlichkeit sehr negativ an diese Situation heranging und dass man auf Fehler gewartet hat. Es wurden Situationen als negativ dargestellt, die nicht negativ waren und die Video-Assistenten-Szenen, die gut waren, wurden – wie es immer so ist – einfach als normal gesehen. Ich glaube, dass der Video-Assistent in der Bundesliga nicht so schlecht ist wie sein Ruf. Dennoch war die Hinserie um einiges unangenehmer als die Rückrunde, die besser verlief. Man hat die Erfahrungen aus der Hinrunde eingebracht und hat in der zweiten Halbserie Ruhe in die Spielleitung gebracht.

Welche Szenen waren in der abgelaufenen Bundesliga-Saison aus Ihrer Sicht die kniffligsten – trotz Video-Beweis?

Schwierig! Ich habe keine Szene exemplarisch vor Augen. Wir haben sehr, sehr gute Dinge gehabt – gerade bei Abseits-Situationen.

Welcher Bundesliga-Schiedsrichter konnte aus Ihrer Sicht überraschen?

Überrascht haben mich die Neulinge, Sven Jablonski, Martin Petersen und Sören Storks. Nein, anders: Sie haben mich überzeugt! Die Entscheidung der Kommission, diese Schiedsrichter in die Bundesliga zu holen, war richtig. Sie haben sehr gut und unaufgeregt gepfiffen und das freut mich total!

….und Bibiana Steinhaus?

Auch! Sie ist ein wichtiger Teil dieser Truppe. Ein Riesen-Kompliment an Bibi, wie sie mit der enormen Fokussierung ihrer Person durch die Medien umgegangen ist. Dieser extrem starke Fokus auf ihre Persönlichkeit, das gab es in der Schiedsrichterei in dieser Form noch nie und das hat sie souverän gemeistert und toll abgearbeitet.

 

Sie arbeiten seit 2015 für den Pay-TV-Sender und Bundesliga-Rechteinhaber Sky. Wie wichtig ist Regelkunde für Sportjournalisten? Auch bei der WM war und ist dies ein heißes Thema!

Absolut wichtig! Das wird seit einigen Jahren gemacht. Sky macht vor der Saison immer einen Workshop für die Kommentatoren mit einem Mitglied der Schiedsrichterkommission. Da wird vieles erklärt und es wird auch sehr stark diskutiert. Wenn Dr. Markus Merk und ich an den Spieltagen in München sind, werden viele Fragen im Vorfeld besprochen. Es gibt viele lernwillige Kommentatoren.

Greift man dabei auch Szenen aus der zurückliegenden Fußballwoche auf?

Ja! Häufig kommen Fragen wie „Wie ist das regeltechnisch bei dieser Szene?“ oder „Wie hast du dieses Tor gesehen?“, das haben wir immer wieder.

Was unterscheidet die Arbeit bei Sky von der des Schiedsrichters auf dem Platz?

(lacht) Es ist auf jeden Fall nicht ganz so sportlich! Das ist der große Unterschied. Es ähnelt sich insofern, als dass man sofort entscheiden muss. Nach wie vor ist es ähnlich wie früher auf dem Platz: Als Schiedsrichter würde ich für mich nie in Anspruch nehmen, dass, wenn ich die Bilder in Sekundenschnelle begutachte, nicht alles richtig sehe. Manchmal bekommt man auch die richtigen Perspektiven erst später. Aber dennoch ist es gut, den Zuschauern und den Fußballfans die Szenen regeltechnisch zeitnah zu erklären.

Ihr Kommentar und auch der von Dr. Markus Merk zu den Szenen fließen oft auch in unsere aktuelle Bundesliga-Berichterstattung bei WahreTabelle ein…

Wird das dann auch stark diskutiert in der Community?

Ja. Wenn zum Beispiel in der Halbzeit eine Szene bereits strittig gestellt wird, heißt es oftmals direkt „Gagelmann sagt: Kein Elfmeter“, etc. Das wirkt polarisierend und es ist immer ein Ansatzpunkt. Welche Szene wurde denn im Sky-Kollegenkreis besonders diskutiert?

Es sind häufig die Handspiel-Diskussionen. Das Stindl-Handspiel war ein Riesen-Thema. Da bin auch ich der Meinung: Nachdem ich die Bilder gesehen hatte, war für mich das Urteil: Kein absichtliches Handspiel. Wenn man die Bilder sieht, ist es in der Öffentlichkeit schwer vermittelbar, da zu sagen, dass das kein Handspiel ist.

Welches waren für Sie die wichtigsten Erlebnisse als Bundesliga-Schiedsrichter? Welche Szenen sind haften geblieben?

Es war faszinierend, selbst zu erleben, wie groß der Fokus auf den Bundesliga-Schiedsrichter ist. Der Unterschied zwischen erster und zweiter Liga ist riesig und diese Fokussierung ist beeindruckend. Es sind viele Szenen hängen blieben, die oft auch in der Öffentlichkeit gar nicht so wahrgenommen wurden. Beispiel: Eine besonders gute Team-Leistung. Wenn man ein Pokalendspiel leitet, sieben Tore gefallen sind und niemand über den Schiedsrichter diskutiert hat, dann macht einem das froh und man ist dankbar, die Chance bekommen zu haben. Das sind Spiele worauf man die vielen Jahre draufhinarbeitet.

Welche Spieler waren leicht zu handeln, welche nicht?

Das ist schwierig! Mir haben die markanten Spieler, die in der Öffentlichkeit auch so dargestellt wurden, immer viel Spaß gemacht, weil man sich daran reibt und als Schiedsrichter immer daran gemessen wird, wie man Führungsspieler im Griff hat. Da möchte ich exemplarisch keine Namen nennen. Die Leitfiguren einer Mannschaft sind aber immer eine große Herausforderung und wenn man diese Spielertypen „auf seine Seite“ hat, hat man auch das Spiel im Griff.

Zum guten Schluss… wollen wir ein paar Reporter-Floskeln vom Ex-Schiedsrichter entlarven lassen…„Das ist internationale Härte“

(lacht) Ja! Es gibt eine internationale Spielweise und eine dementsprechende Spielleitung – und eine nationale Spielweise und die entsprechende Leitung. Das sieht man bei Mannschaften, die in der Bundesliga und international spielen. International legen sie ganz andere Verhaltensweisen an den Tag. Das geht von Simulationen über das Hineininterpretieren von Dingen. In der Champions League laufen diese Dinge oft etwas anders. Somit ist auch die Spielleitung entsprechend anders. In der Champions League kann ich das Spiel viel besser laufen lassen, das kann ich als Schiedsrichter bei Mannschaften, die nicht das technisch hohe Niveau haben, nicht machen.

„Das wird in England nicht gepfiffen“…

Das spiegelt das eigentlich wider: Verhaltensweisen der Spieler. Wenn man mit Spielern diskutiert, die in England gespielt haben wie Markus Babbel oder Didi Hamann, die können das sehr gut nachempfinden, dass Verhaltensweisen und Unsportlichkeiten von den Fans in England anders verurteilt werden als in Deutschland.

„Da ist das Fingerspitzengefühl des Schiedsrichters gefragt“…

Auch das ist ein Klassiker! Natürlich muss man ein Gefühl haben für eine Spielsituation und für die Lage eines Spielers. Das wird dann gern als Fingerspitzengefühl interpretiert – von Reportern, aber auch von Offiziellen und Spielern, die eigentlich ein Fehlverhalten an den Tag legen und dann vom Schiedsrichter ein „Fingerspitzengefühl“ einfordern.

„Das muss der Schiedsrichter sehen!“…

Das muss er doch sehen (lacht)! Diese Floskel wird in Zukunft weniger, weil wir ja den Video-Schiedsrichter haben…

Diese News betrifft folgende Schiedsrichter:

Peter Gagelmann Name : Peter Gagelmann
Geburtsdatum: 09.06.1968
Ort: Bremen

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Peter Gagelmann
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15.07.2018 22:13 Uhr | Quelle: WahreTabelle Schiedsrichter Pitana schreibt WM-Geschichte

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WM: Deutsche Schiedsrichter fungieren zum 16. Mal als Video-Assistenten.

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