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03.11.2016 17:43 Uhr | Quelle: WahreTabelle

Schiedsrichterball: Ein Foul aus taktischen Motiven

Kolumne: Johannes Gründel erklärt bei WahreTabelle das Regelwerk und strittige Fußball-Szenen.

Johannes Gründel
Johannes Gründel
Brand / Koeln
Quelle: Imago Sportfoto
HSV-Trainer Markus Gisdol und Matthias Ostrzolek hatten in Köln viele Fragen an Schiedsrichter Benjamin Brand und sein Gespann...

Johannes Gründel
Johannes Gründel

Am vergangenen Sonntag entzündete ein Foul von Marco Höger die Gemüter in der Fußball-Bundesliga. Er war bereits verwarnt und foulte seinen Gegenspieler, um einen Konter zu unterbinden. Ein klares taktisches Foul und Gelb-Rot, könnte man meinen und war auch die nahezu einhellige Meinung danach. Schiedsrichter Benjamin Brand (27, Bamberg) aber ahndete das Foul und beließ es bei einem Freistoß. Ein Wahrnehmungsfehler? Oder steckte da doch mehr dahinter?

So eindeutig wie es klingt, war es tatsächlich nicht. Schon die Prämisse „Das war ein taktisches Foul und damit Gelb“ ist nicht korrekt. Bereits nach dem Regelwerk vor der Regelrevision im vergangenen Sommer war nicht jedes Foul, das aus taktischen Motiven erfolgte, auch ein taktisches Foul. Der Regelwortlaut lautete damals:

„Ein Spieler ist wegen unsportlichen Betragens zu verwarnen, wenn er zur Unterbindung oder Verhinderung eines aussichtsreichen Gegenangriffs ein taktisches Foul begeht“

Maßgeblich für die Bewertung war schon damals, ob ein aussichtsreicher Gegenangriff – wenn man den englischen Originaltext wörtlich übersetzt: „ein vielversprechender Angriff“ – vorlag. Entgegen dem Begriff „taktisches Foul“ ist also nicht die Motivlage des Foulspielenden, sondern viel mehr die objektive Bewertung, ob ein aussichtsreicher Angriff vorlag, entscheidend – ähnlich wie auch bei der Notbremse.

Diese missverständliche Formulierung wurde bei der Regelrevision berücksichtigt (und gleichzeitig noch mit dem Handspiel kombiniert), sodass der neue Regelwortlaut lautet:

„Ein Spieler ist wegen unsportlichen Betragens zu verwarnen, wenn er in Foulspiel oder ein Handspiel begeht, um einen aussichtsreichen Angriff zu verhindern oder diesen zu unterbinden“

Wie man sieht, ist der Begriff „taktisches Foul“ komplett aus dem Regelwerk verschwunden. Das war eine bewusste Entscheidung, um dieses Missverständnis auszuräumen. Daher sollte auch der Begriff „taktisches Foul“ aus der Argumentation verschwinden. Er führt nur zu Fehlbewertungen. Entscheidend ist, ob ein aussichtsreicher Angriff vorlag oder nicht, sonst nichts. Die Faustformel lautet: „Viel Grün vor dem Foul (und wenige andere Farben)?“

Betrachtet man mit diesem Vorwissen nun die Höger-Szene, erscheint sie nicht mehr so eindeutig: Das Foulspiel geschah an der Mittellinie, nur zwei weitere Hamburger Mitspieler waren mitgelaufen, demgegenüber waren fünf Kölner Feldspieler und der Torwart in eingriffsfähiger Nähe. Entsprechend war nicht nur viel Grün, sondern auch noch einiges an Weiß zwischen dem Foul und dem Tor. Das sind Aspekte, die gegen einen aussichtsreichen Angriff sprechen. Dafür Angriff sprechen Tempo und Positionierung der beteiligten Spieler: Ein Pass nach rechts und die Hamburger hätten freie Bahn für einen Flügellauf mit der Option zur Flanke vor das Tor gehabt.

Es gibt demnach gute Argumente für beide Seiten. Ein eindeutig aussichtsreicher Angriff war das nicht, aussichtslos war er aber auch nicht. Man darf sich jedoch nicht vom veralteten Begriff „Taktisches Foul“ täuschen lassen. Aufgrund der möglichen Fehldeutung sollte dieser Begriff aus der Argumentation verschwinden.

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So eindeutig wie es klingt, war es tatsächlich nicht. Schon die Prämisse „Das war ein taktisches Foul und damit Gelb“ ist nicht korrekt. Bereits nach dem Regelwerk vor der Regelrevision im vergangenen Sommer war nicht jedes Foul, das aus taktischen Motiven erfolgte, auch ein taktisches Foul. Der Regelwortlaut lautete damals:

„Ein Spieler ist wegen unsportlichen Betragens zu verwarnen, wenn er zur Unterbindung oder Verhinderung eines aussichtsreichen Gegenangriffs ein taktisches Foul begeht“

Maßgeblich für die Bewertung war schon damals, ob ein aussichtsreicher Gegenangriff – wenn man den englischen Originaltext wörtlich übersetzt: „ein vielversprechender Angriff“ – vorlag. Entgegen dem Begriff „taktisches Foul“ ist also nicht die Motivlage des Foulspielenden, sondern viel mehr die objektive Bewertung, ob ein aussichtsreicher Angriff vorlag, entscheidend – ähnlich wie auch bei der Notbremse.

Diese missverständliche Formulierung wurde bei der Regelrevision berücksichtigt (und gleichzeitig noch mit dem Handspiel kombiniert), sodass der neue Regelwortlaut lautet:

„Ein Spieler ist wegen unsportlichen Betragens zu verwarnen, wenn er in Foulspiel oder ein Handspiel begeht, um einen aussichtsreichen Angriff zu verhindern oder diesen zu unterbinden“

Wie man sieht, ist der Begriff „taktisches Foul“ komplett aus dem Regelwerk verschwunden. Das war eine bewusste Entscheidung, um dieses Missverständnis auszuräumen. Daher sollte auch der Begriff „taktisches Foul“ aus der Argumentation verschwinden. Er führt nur zu Fehlbewertungen. Entscheidend ist, ob ein aussichtsreicher Angriff vorlag oder nicht, sonst nichts. Die Faustformel lautet: „Viel Grün vor dem Foul (und wenige andere Farben)?“

Betrachtet man mit diesem Vorwissen nun die Höger-Szene, erscheint sie nicht mehr so eindeutig: Das Foulspiel geschah an der Mittellinie, nur zwei weitere Hamburger Mitspieler waren mitgelaufen, demgegenüber waren fünf Kölner Feldspieler und der Torwart in eingriffsfähiger Nähe. Entsprechend war nicht nur viel Grün, sondern auch noch einiges an Weiß zwischen dem Foul und dem Tor. Das sind Aspekte, die gegen einen aussichtsreichen Angriff sprechen. Dafür Angriff sprechen Tempo und Positionierung der beteiligten Spieler: Ein Pass nach rechts und die Hamburger hätten freie Bahn für einen Flügellauf mit der Option zur Flanke vor das Tor gehabt.

Es gibt demnach gute Argumente für beide Seiten. Ein eindeutig aussichtsreicher Angriff war das nicht, aussichtslos war er aber auch nicht. Man darf sich jedoch nicht vom veralteten Begriff „Taktisches Foul“ täuschen lassen. Aufgrund der möglichen Fehldeutung sollte dieser Begriff aus der Argumentation verschwinden.

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Diese News betrifft folgende Schiedsrichter:

Benjamin Brand Name : Benjamin Brand
Geburtsdatum: 10.07.1989
Ort: Gerolzhofen

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Benjamin Brand
Name : Benjamin Brand
Geburtsdatum: 10.07.1989
Ort: Gerolzhofen

04.11.2016 11:10


koelschlenny


1. FC Köln-Fan1. FC Köln-Fan


Mitglied seit: 08.11.2015

Aktivität:
Beiträge: 169

Stimme dir im Großen und Ganzen zu, allerdings fehlt für mich noch ein Indiz für das Thema "aussichtsreich", und zwar das Überraschungsmoment, welches einen Angriff über die reine Vogelperspektive (viel grün/viel weiß) hinaus als aussichtsreich kennzeichnen kann.
Hier ist es gegeben durch den Fehlpass von Zoller.
Die Defensivspieler von Köln sind somit auf Spielaufbau gepolt und müss(t)en schon sehr schnell reagieren, um den Angriff zu unterbinden. Diese Unsortiertheit ist in diesem Fall gegeben und für mich - neben den im Artikel gegebenen Indizien - in der Summe hinreichend, um die gelbe Karte als korrekt anzusehen.


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