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06.06.2016 17:30 Uhr | Quelle: WahreTabelle

Die Schiedsrichter und ich (9) … Jean-Marie Pfaff

Vize-Europameister von 1980 schätzt deutsche Referees bis heute.

Pfaff / Pauly
Quelle: Imago Sportfoto
Kein böses Wort über Schiedsrichter: Torhüterlegende Jean-Marie Pfaff (l.) beim gepflegten Smalltalk mit Referee Dieter Pauly (Rheydt, r.) am Rande eines Bundesliga-Spiels des FC Bayern im März 1988 bei Eintracht Frankfurt (1:1).

Welttorhüter des Jahres 1987, drei Mal Deutscher Meister mit dem FC Bayern München, 64 Länderspiele und Vize-Europameister 1980 mit Belgien – Jean-Marie Pfaff (62) gehörte zu den erfolgreichsten Torhütern der Achtzigerjahre. Der Belgier absolvierte 156 Bundesliga-Spiele für die Münchner und wurde durch sein sympathisches Auftreten, sein exzellentes Torwartspiel und durch seine Entertainer-Qualitäten (u. a. Gastauftritt in der Komödie Zärtliche Chaoten mit Thomas Gottschalk, 1987) zu einem der großen Publikumslieblinge der Liga.

Mit WahreTabelle-Redakteur Carsten Germann sprach Jean-Marie Pfaff, der nach seinem Abschied aus München noch bei Lierse SK in seiner belgischen Heimat und 1989/90 bei Trabzonspor in der Türkei aktiv war, über seine Erfahrungen im Umgang mit den Schiedsrichtern.

Bis heute lässt Pfaff nichts über die deutschen Referees kommen. „Ich habe viel Respekt für die Schiedsrichter in Deutschland und nur gute Erinnerungen an sie“, sagt er, „sie waren sehr nett, sehr menschlich und einige – wie Walter Eschweiler – treffe ich bis heute ab und zu bei Veranstaltungen, das ist immer ein herzliches Wiedersehen.“

Bei aller Anspannung auf dem Rasen war Pfaff immer für einen Spaß mit den Schiedsrichtern zu haben. Im Aktuellen Sport-Studio des ZDF wurde Pfaff bei einem Auftritt einmal gefragt, was denn der Schiedsrichter bei einem intensiven Gespräch Kopf-an-Kopf genau von ihm wissen wollte. Der Belgier mit einem Augenzwinkern: „Er hat mich gefragt, welche Zahnpasta ich benutze.“

Pfaff: „Ich habe immer viel gegenseitigen Respekt, aber auch viel gegenseitige Freude im Umgang mit den Schiedsrichtern empfunden – und viele Schiedsrichter mit eigener Meinung kennengelernt.“ Der vom Kicker-Sportmagazin drei Mal (1983, 1983/84, 1986) in die Rubrik „Weltklasse“ eingestufte Keeper weiter: „Heute haben es die Schiedsrichter schwerer als früher, das Spiel ist schneller geworden, das kann man kaum noch vergleichen, aber ich finde, dass die Schiedsrichter heute von außen zu viele Anweisungen aufgedrückt bekommen. Früher wurde vieles auf dem Platz über Persönlichkeit gelöst.

Als Beispiel nennt Pfaff einen von Walter Eschweiler (Euskirchen / 286 BL-Spiele) in der 90. Minute des Nord-Süd-Duells der Münchner gegen den Hamburger SV (2:2 / 9. Oktober 1982) verhängten Elfmeter gegen die Bayern – Manfred Kaltz verschoss gegen den belgischen Ausnahmetorhüter – und die mitunter heiß umkämpften Partien beim 1. FC Kaiserslautern: „Diese Spiele waren nie einfach, aber die Schiedsrichter haben bei aller Hektik immer nur das gepfiffen, was sie gesehen haben und ihre Entscheidungen durchgezogen, auch ein Walter Eschweiler, als er in der letzten Minute einen Elfmeter für Hamburg gegen Bayern München gab.“

Unvergessen: Pfaffs Auftritt mit dem FC Bayern am 2. November 1983 im UEFA-Pokal-Rückspiel gegen PAOK Saloniki. Beim ersten Elfmeterschießen, welches im Münchner Olympiastadion stattfand, sorgte erst Schiedsrichter Alan Robinson aus England, dann Pfaff für ein Novum. Der Referee ließ den ersten Bayern-Elfmeter von Klaus Augenthaler gleich zwei Mal wiederholen und pfiff auch den von Jean-Marie Pfaff gehaltenen Elfer von Vasilis Vasilakos zurück. Der Bayern-Keeper, so machte der Schiedsrichter deutlich, hatte sich zuvor auf der Torlinie ebenso zu früh bewegt wie PAOK-Schlussmann Mladen Furtula. Aber: Pfaff wehrte den entscheidenden Ball von Ioannis Damanakis ab und hielt die Münchner damit im Spiel. Beim Stande von 8:8 hielt Pfaff den Schuss von Kostas Malioufas und verwandelte dann selbst gegen Furtula zum 9:8 und zum Weiterkommen. Damit war Pfaff der erste Torhüter seit dem Bundesliga-Start 1963, dem ein Pflichtspieltor gelang.

Der frühere Elfmeter-Held Jean-Marie Pfaff schreibt den heute – unter anderem im Pokalfinale zwischen den Bayern und Borussia Dortmund (4:3 n. E.) – zu beobachtenden Psycho-Spielchen der Torhüter beim Duell vom Punkt nur wenig Bedeutung zu: „Wenn ein Torwart glaubt, dass er damit etwas bewegen kann, dann soll er das machen. Ich kann nur sagen: Ich habe immer ehrlich gespielt – und auch mit Gottes Hilfe so manchen Elfmeter gehalten.“ (cge).

Mehr zum Thema: 

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Welttorhüter des Jahres 1987, drei Mal Deutscher Meister mit dem FC Bayern München, 64 Länderspiele und Vize-Europameister 1980 mit Belgien – Jean-Marie Pfaff (62) gehörte zu den erfolgreichsten Torhütern der Achtzigerjahre. Der Belgier absolvierte 156 Bundesliga-Spiele für die Münchner und wurde durch sein sympathisches Auftreten, sein exzellentes Torwartspiel und durch seine Entertainer-Qualitäten (u. a. Gastauftritt in der Komödie Zärtliche Chaoten mit Thomas Gottschalk, 1987) zu einem der großen Publikumslieblinge der Liga.

Mit WahreTabelle-Redakteur Carsten Germann sprach Jean-Marie Pfaff, der nach seinem Abschied aus München noch bei Lierse SK in seiner belgischen Heimat und 1989/90 bei Trabzonspor in der Türkei aktiv war, über seine Erfahrungen im Umgang mit den Schiedsrichtern.

Bis heute lässt Pfaff nichts über die deutschen Referees kommen. „Ich habe viel Respekt für die Schiedsrichter in Deutschland und nur gute Erinnerungen an sie“, sagt er, „sie waren sehr nett, sehr menschlich und einige – wie Walter Eschweiler – treffe ich bis heute ab und zu bei Veranstaltungen, das ist immer ein herzliches Wiedersehen.“

Bei aller Anspannung auf dem Rasen war Pfaff immer für einen Spaß mit den Schiedsrichtern zu haben. Im Aktuellen Sport-Studio des ZDF wurde Pfaff bei einem Auftritt einmal gefragt, was denn der Schiedsrichter bei einem intensiven Gespräch Kopf-an-Kopf genau von ihm wissen wollte. Der Belgier mit einem Augenzwinkern: „Er hat mich gefragt, welche Zahnpasta ich benutze.“

Pfaff: „Ich habe immer viel gegenseitigen Respekt, aber auch viel gegenseitige Freude im Umgang mit den Schiedsrichtern empfunden – und viele Schiedsrichter mit eigener Meinung kennengelernt.“ Der vom Kicker-Sportmagazin drei Mal (1983, 1983/84, 1986) in die Rubrik „Weltklasse“ eingestufte Keeper weiter: „Heute haben es die Schiedsrichter schwerer als früher, das Spiel ist schneller geworden, das kann man kaum noch vergleichen, aber ich finde, dass die Schiedsrichter heute von außen zu viele Anweisungen aufgedrückt bekommen. Früher wurde vieles auf dem Platz über Persönlichkeit gelöst.

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Unvergessen: Pfaffs Auftritt mit dem FC Bayern am 2. November 1983 im UEFA-Pokal-Rückspiel gegen PAOK Saloniki. Beim ersten Elfmeterschießen, welches im Münchner Olympiastadion stattfand, sorgte erst Schiedsrichter Alan Robinson aus England, dann Pfaff für ein Novum. Der Referee ließ den ersten Bayern-Elfmeter von Klaus Augenthaler gleich zwei Mal wiederholen und pfiff auch den von Jean-Marie Pfaff gehaltenen Elfer von Vasilis Vasilakos zurück. Der Bayern-Keeper, so machte der Schiedsrichter deutlich, hatte sich zuvor auf der Torlinie ebenso zu früh bewegt wie PAOK-Schlussmann Mladen Furtula. Aber: Pfaff wehrte den entscheidenden Ball von Ioannis Damanakis ab und hielt die Münchner damit im Spiel. Beim Stande von 8:8 hielt Pfaff den Schuss von Kostas Malioufas und verwandelte dann selbst gegen Furtula zum 9:8 und zum Weiterkommen. Damit war Pfaff der erste Torhüter seit dem Bundesliga-Start 1963, dem ein Pflichtspieltor gelang.

Der frühere Elfmeter-Held Jean-Marie Pfaff schreibt den heute – unter anderem im Pokalfinale zwischen den Bayern und Borussia Dortmund (4:3 n. E.) – zu beobachtenden Psycho-Spielchen der Torhüter beim Duell vom Punkt nur wenig Bedeutung zu: „Wenn ein Torwart glaubt, dass er damit etwas bewegen kann, dann soll er das machen. Ich kann nur sagen: Ich habe immer ehrlich gespielt – und auch mit Gottes Hilfe so manchen Elfmeter gehalten.“ (cge).

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Schiedsrichter äußert sich

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Schiedsrichter Felix Zwayer sieht in seinem umstrittenen Handelfmeterpfiff in der Zweitliga-Partie zwischen Hannover 96 und dem FC St. Pauli keine eindeutige Fehlentscheidung. „Anhand der Bilder, die wir jetzt haben, sehe ich meine Feldentscheidung nicht komplett bestätigt, sie weisen aber auch nicht zu 100 Prozent in die andere Richtung“, sagte der 41 Jahre alte Referee nach dem 2:2 bei „Sport1“. „Meine Wahrnehmung auf dem Platz, auf die ich mich letztendlich verlassen musste, war, dass der linke Arm zum Zeitpunkt des Abspiels eine leichte Bewegung nach außen macht und damit in die Flugbahn geht und den Ball ablenkt.“

14.07.2022 14:20 Uhr | Quelle: dpa DFB ehrt Aytekin und Rafalski als beste Unparteiische 2022

Je zweite Auszeichnung

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Deniz Aytekin und Katrin Rafalski sind die besten deutschen Unparteiischen 2022. Der 43 Jahre alte Aytekin wurde vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum zweiten Mal nach 2019 als „Schiedsrichter des Jahres“ ausgezeichnet. Die 40-jährige Rafalski erhielt die Ehrung als „Schiedsrichterin des Jahres“ nach 2015 ebenfalls zum zweiten Mal. Nach Ansicht von DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich sei Aytekin aufgrund seines Auftretens auf und abseits des Spielfeldes „ein ausgezeichneter Botschafter für die Schiedsrichter. Er ist in seiner Kommunikation modern ausgerichtet und dabei auch vielfältig unterwegs. Alles aber mit einer positiven Darstellung für den Schiedsrichterjob und dem erforderlichen Fokus für seine...