Newsansicht

WahreTabelle 1.Bundesliga >> WahreTabelle 2.Bundesliga >>
07.11.2019 16:50 Uhr | Quelle: WahreTabelle

Schiedsrichterball: Aus Elf mach Neun!

War der doppelte Platzverweis gegen Ajax korrekt?

Johannes Gründel
Johannes Gründel
Blind.jpg_1573156055.jpg
Quelle: imago images
Blind bekam für dieses Foul an Abraham die Gelb-Rote Karte

Johannes Gründel
Johannes Gründel

Kuriose Szene am Dienstag an der Stamford Bridge: Beim Stand von 4:2 für die Gäste aus Amsterdam fuhr der FC Chelsea einen Angriff. Im Rahmen dieses Spielzugs wurde Tammy Abraham von Ajax‘ Daley Blind rücksichtslos gefoult. Da die Londoner in Ballbesitz blieben, ließ Schiedsrichter Gianluca Rocchi Vorteil laufen. Dies resultierte in einem Torschuss, den Amsterdams Veltman mit der Hand abwehrte. Rocchi deutete auf die Strafstoßmarke. Ärgerlich für Ajax Amsterdam: Sowohl Blind als auch Veltman waren bereits verwarnt, sodass Rocchi innerhalb einer Szene beide mit Gelb-Rot vom Platz stellte. Doch war hier regeltechnisch alles korrekt?

Vorteil trotz Platzverweis

Zunächst betrachten wir das Foul und die Vorteilsentscheidung: Blinds Einsteigen muss als rücksichtslos bewertet werden, sodass eine Gelbe Karte – und damit Gelb-Rot – zwingend ist.

Das Regelwerk lässt einen Vorteil bei einem Platzverweis ausdrücklich zu, empfiehlt eine Anwendung jedoch nur im Fall klarer Torchancen. Hauptanwendungsbereich für Vorteile nach feldverweiswürdigen Fouls sind daher Notbremsen – mit dem praktischen Nebeneffekt, dass aus der Roten Karte dann eine Gelbe Karte wird, weil die klare Torchance infolge des Vorteils ja nicht vereitelt wurde. Die Vorteilsentscheidung war also zwar riskant, aber aus Regelsicht nicht zu beanstanden.

Doch was wäre passiert, hätte Blind noch ins Spiel eingegriffen? Für den Fall des Vorteils nach einem feldverweiswürdigen Vergehen sieht das Regelwerk hier tatsächlich einen Passus vor: Greift ein Spieler ein, der nach einem Vorteil in der nächsten Spielunterbrechung des Feldes verwiesen werden soll, wird die Partie unterbrochen, der Profi für das vorhergehende Vergehen des Feldes verwiesen und es gibt anschließend indirekten Freistoß für das gegnerische Team.

Die zweite Frage, die sich in diesem Kontext stellt, ist, ob der Feldverweis nach dem Vorteil notwendig war. Grundsätzlich müssen persönliche Strafen auch nach einem Vorteil noch verhängt werden. Die Ausnahme dafür bilden das Vereiteln einer klaren Torchance („Notbremse“) bzw. das Unterbinden eines aussichtsreichen Angriffs („taktisches Foul“). Hier bleiben die klare Torchance bzw. der aussichtsreiche Angriff durch den Vorteil ja bestehen. Deshalb wird im ersten Fall aus der Roten Karte eine Verwarnung und die Verwarnung im zweiten Fall entfällt komplett. Die Gegenausnahme bilden Szenen, in denen das Foulspiel auch aufgrund seiner Intensität gelb- bzw. rotwürdig war. In London war das Foulspiel von Blind schon aufgrund der Intensität gelbwürdig. Daher musste die Gelb-Rote Karte auch nach dem Vorteil noch gegeben werden.

Der Handelfmeter war zweifelhaft

Kommen wir jetzt also zum zweiten Vergehen in dieser Szene. Veltman blockierte einen Torschuss mit der Hand ab. Geht man davon aus, dass dieses Handspiel strafbar ist, ist hier die Gelb-Rote Karte ebenfalls zwingend: Die Abwehr eines Torschusses durch ein strafbares Handspiel ist (mindestens) eine zwingende Verwarnung. Das folgt zum einen aus der expliziten Anordnung im Regelwerk, zum anderen aber auch aus dem Angriffskontext: Im Grunde handelt es sich hierbei ja auch um das Vereiteln eines aussichtsreichen Angriffs.

Ob das Handspiel an sich strafbar war, ruft indes Zweifel hervor. Veltman hat den Arm sehr nahe am Körper. Für ein strafbares Handspiel sprechen letztlich nur zwei, in meinen Augen eher weniger überzeugende Aspekte: Zum einen ist der Torschuss zu erwarten, zum anderen lässt die Zeitlupe ein Herauszucken des Arms vermuten. Diese zwei Punkte könnten den Videoassistenten dazu gebracht haben, dem Schiedsrichter keine klare und offensichtliche Fehlentscheidung zu unterstellen. Allerdings hat die Erwartbarkeit des Balles durch die Regeländerung im vergangenen Sommer an Bedeutung verloren, viel wichtiger ist die Handhaltung – und viel näher am Körper konnte Veltman den Arm nun wirklich nicht mehr halten. Auch das vermeintliche Zucken entpuppt sich in Originalgeschwindigkeit als natürlicher Teil des Bewegungsablaufs, da sich Veltman wegdreht. Ich hätte diesen Strafstoß also nicht gegeben. Gibt man ihn, ist die Gelb-Rote Karte allerdings zwingend.

Sind mehrere Platzverweise gleichzeitig zulässig?

Klar ist hingegen, dass mehrere Platzverweise zur gleichen Zeit stattfinden können: Das Regelwerk kennt keine Obergrenze von Platzverweisen in einer Situation. Lediglich für den Fall, dass eine Mannschaft auf unter sieben Spieler reduziert wird, schreibt das Regelwerk vor, dass anschließend das Spiel abgebrochen werden muss.

Zusammenfassend kann man über diese Minute also festhalten: Regeltechnisch ist höchstens die Bewertung des Handspiels als strafbar zu beanstanden. Ob der erste Vorteil mit anschließender Gelb-Roter Karte clever oder riskant war, muss jeder für sich entscheiden.

Kuriose Szene am Dienstag an der Stamford Bridge: Beim Stand von 4:2 für die Gäste aus Amsterdam fuhr der FC Chelsea einen Angriff. Im Rahmen dieses Spielzugs wurde Tammy Abraham von Ajax‘ Daley Blind rücksichtslos gefoult. Da die Londoner in Ballbesitz blieben, ließ Schiedsrichter Gianluca Rocchi Vorteil laufen. Dies resultierte in einem Torschuss, den Amsterdams Veltman mit der Hand abwehrte. Rocchi deutete auf die Strafstoßmarke. Ärgerlich für Ajax Amsterdam: Sowohl Blind als auch Veltman waren bereits verwarnt, sodass Rocchi innerhalb einer Szene beide mit Gelb-Rot vom Platz stellte. Doch war hier regeltechnisch alles korrekt?

Vorteil trotz Platzverweis

Zunächst betrachten wir das Foul und die Vorteilsentscheidung: Blinds Einsteigen muss als rücksichtslos bewertet werden, sodass eine Gelbe Karte – und damit Gelb-Rot – zwingend ist.

Das Regelwerk lässt einen Vorteil bei einem Platzverweis ausdrücklich zu, empfiehlt eine Anwendung jedoch nur im Fall klarer Torchancen. Hauptanwendungsbereich für Vorteile nach feldverweiswürdigen Fouls sind daher Notbremsen – mit dem praktischen Nebeneffekt, dass aus der Roten Karte dann eine Gelbe Karte wird, weil die klare Torchance infolge des Vorteils ja nicht vereitelt wurde. Die Vorteilsentscheidung war also zwar riskant, aber aus Regelsicht nicht zu beanstanden.

Doch was wäre passiert, hätte Blind noch ins Spiel eingegriffen? Für den Fall des Vorteils nach einem feldverweiswürdigen Vergehen sieht das Regelwerk hier tatsächlich einen Passus vor: Greift ein Spieler ein, der nach einem Vorteil in der nächsten Spielunterbrechung des Feldes verwiesen werden soll, wird die Partie unterbrochen, der Profi für das vorhergehende Vergehen des Feldes verwiesen und es gibt anschließend indirekten Freistoß für das gegnerische Team.

Die zweite Frage, die sich in diesem Kontext stellt, ist, ob der Feldverweis nach dem Vorteil notwendig war. Grundsätzlich müssen persönliche Strafen auch nach einem Vorteil noch verhängt werden. Die Ausnahme dafür bilden das Vereiteln einer klaren Torchance („Notbremse“) bzw. das Unterbinden eines aussichtsreichen Angriffs („taktisches Foul“). Hier bleiben die klare Torchance bzw. der aussichtsreiche Angriff durch den Vorteil ja bestehen. Deshalb wird im ersten Fall aus der Roten Karte eine Verwarnung und die Verwarnung im zweiten Fall entfällt komplett. Die Gegenausnahme bilden Szenen, in denen das Foulspiel auch aufgrund seiner Intensität gelb- bzw. rotwürdig war. In London war das Foulspiel von Blind schon aufgrund der Intensität gelbwürdig. Daher musste die Gelb-Rote Karte auch nach dem Vorteil noch gegeben werden.

Der Handelfmeter war zweifelhaft

Kommen wir jetzt also zum zweiten Vergehen in dieser Szene. Veltman blockierte einen Torschuss mit der Hand ab. Geht man davon aus, dass dieses Handspiel strafbar ist, ist hier die Gelb-Rote Karte ebenfalls zwingend: Die Abwehr eines Torschusses durch ein strafbares Handspiel ist (mindestens) eine zwingende Verwarnung. Das folgt zum einen aus der expliziten Anordnung im Regelwerk, zum anderen aber auch aus dem Angriffskontext: Im Grunde handelt es sich hierbei ja auch um das Vereiteln eines aussichtsreichen Angriffs.

Ob das Handspiel an sich strafbar war, ruft indes Zweifel hervor. Veltman hat den Arm sehr nahe am Körper. Für ein strafbares Handspiel sprechen letztlich nur zwei, in meinen Augen eher weniger überzeugende Aspekte: Zum einen ist der Torschuss zu erwarten, zum anderen lässt die Zeitlupe ein Herauszucken des Arms vermuten. Diese zwei Punkte könnten den Videoassistenten dazu gebracht haben, dem Schiedsrichter keine klare und offensichtliche Fehlentscheidung zu unterstellen. Allerdings hat die Erwartbarkeit des Balles durch die Regeländerung im vergangenen Sommer an Bedeutung verloren, viel wichtiger ist die Handhaltung – und viel näher am Körper konnte Veltman den Arm nun wirklich nicht mehr halten. Auch das vermeintliche Zucken entpuppt sich in Originalgeschwindigkeit als natürlicher Teil des Bewegungsablaufs, da sich Veltman wegdreht. Ich hätte diesen Strafstoß also nicht gegeben. Gibt man ihn, ist die Gelb-Rote Karte allerdings zwingend.

Sind mehrere Platzverweise gleichzeitig zulässig?

Klar ist hingegen, dass mehrere Platzverweise zur gleichen Zeit stattfinden können: Das Regelwerk kennt keine Obergrenze von Platzverweisen in einer Situation. Lediglich für den Fall, dass eine Mannschaft auf unter sieben Spieler reduziert wird, schreibt das Regelwerk vor, dass anschließend das Spiel abgebrochen werden muss.

Zusammenfassend kann man über diese Minute also festhalten: Regeltechnisch ist höchstens die Bewertung des Handspiels als strafbar zu beanstanden. Ob der erste Vorteil mit anschließender Gelb-Roter Karte clever oder riskant war, muss jeder für sich entscheiden.

08.11.2019 11:21


SchweizerSR


Bor. M'Gladbach-FanBor. M'Gladbach-Fan


Mitglied seit: 07.10.2019

Aktivität:
Beiträge: 3

@AllesZufall

Zitat von AllesZufall
 Zusätzlich ist noch fraglich, ob es nicht Freistoß für Ajax hätte geben müssen, da mit dieser Aktion überhaupt erst alles anfing. 

Genau, für mich ein Foul von Pulisic an Daley Blind.


 Beitrag melden  Zitieren  Antworten


08.11.2019 02:42


AllesZufall


Eintr. Frankfurt-FanEintr. Frankfurt-Fan


Mitglied seit: 17.02.2019

Aktivität:
Beiträge: 777

 Zusätzlich ist noch fraglich, ob es nicht Freistoß für Ajax hätte geben müssen, da mit dieser Aktion überhaupt erst alles anfing. 


 Beitrag melden  Zitieren  Antworten


22.01.2020 20:07 Uhr | Quelle: dpa Schiedsrichter-Chef Fröhlich will mehr Transparenz beim Videobeweis

Durchsagen des Schiedsrichters zwar schwierig, aber praktikabel

VAR-Leinwand.jpg_1579720497.jpg

Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich hat trotz der anhaltenden Kritik am Videobeweis eine positive Zwischenbilanz gezogen. So seien in dieser Saison in der Fußball-Bundesliga bisher 53 Fehlentscheidungen verhindert worden. Verbesserungswürdig sei die Dauer der Unterbrechung von durchschnittlich 79 Sekunden und die hohe Zahl der Interventionen vor allem in der 2. Liga (10), ohne dass die finale Entscheidung falsch war. «Natürlich wollen wir diese Zahlen drücken. Aber alle erwarten, dass gewissenhaft überprüft wird», sagte Fröhlich am Dienstag bei einem Termin im Dortmunder Fußball-Museum. Zudem sprach er sich für mehr Transparenz bei dem Thema aus. Vor allem die Stadionbesucher sollen seiner Meinung na...

21.01.2020 12:39 Uhr | Quelle: dpa Schiedsrichter Gräfe: Ansetzungen zu «wenig nach Leistung»

Außerdem fordert er mehr Transparenz beim Videobeweis

Gräfe.jpg_1579606935.jpg

Nach Meinung des deutschen Fußball- Spitzenschiedsrichters Manuel Gräfe wird bei den Ansetzungen «zu oft immer noch nach Politischem, Regionalem oder Persönlichem» entschieden. «Es geht immer noch zu wenig nach Leistung», kritisierte der 46 Jahre alte Berliner in einem Interview des Fachmagazins «Kicker». «Dieses Anreiz-Prinzip, dass sich Leistung positiv und negativ auch in der Anzahl der Ansetzungen bemerkbar macht, greift leider immer noch nicht», urteilte Gräfe. Allerdings habe sich die Situation seit 2016 durchaus verbessert, als Lutz Michael Fröhlich Sportlicher Leiter der Elite-Schiedsrichter wurde. «Es wird jetzt anders geführt als zu Zeiten von Hellmut Krug und Herbert Fandel&...

19.01.2020 15:34 Uhr | Quelle: WahreTabelle 1. Bundesliga: Strengere Regelauslegung – Moisander fliegt als Erster

Zweimal Gelb wegen Meckerns für Bremens Kapitän

Moisander.jpg_1579444742.jpg

Zum Auftakt der Rückrunde kündigte der DFB an, künftig strenger gegen Spieler vorzugehen, die sich beim Schiedsrichter beschweren oder für Rudelbildungen sorgen. Grund dafür ist der Schutz von Unparteiischen im Amateurbereich. In der Partie zwischen Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen wurde diese neue Auslegung dem Kapitän der Gäste, Niklas Moisander, zum Verhängnis. In der 72. Minute bekam Moisander nach einer Rudelbildung die Gelbe Karte von Schiedsrichter Dr. Felix Brych. Als sich der Verteidiger dann in der Nachspielzeit über ein Foul von Düsseldorfs Adam Bodzek an Jiri Pavlenka aufregte, gab es von Brych die Gelb-Rote Karte. In der Wahre Tabelle-Community sorgte die Szene für gemischte Gefühle....

18.01.2020 18:20 Uhr | Quelle: dpa DFB-Projektchef Drees: Videobeweis größte Veränderung seit 100 Jahren

Der Ex-Schiri wirbt um Verständnis für Schwierigkeiten

Drees2.jpg_1579368462.jpg

Der DFB-Projektleiter Jochen Dress hat Verständnis für die Kritik am Videobeweis, wirbt zugleich aber auch um Verständnis für die Schwierigkeiten. «Der Videoassistent greift erheblich in das Spiel ein, wie wir es als Zuschauer erleben, aber auch wie es Spieler und Trainer erleben», sagte der Experte des Deutschen Fußball-Bundes am Freitag in der INFO-Sendung «Das Interview» des Hessischen Rundfunks. «Es wäre vermessen zu glauben, dass man so etwas einführt und nach zwei Jahren sagt: Es ist alles toll.» Der Videobeweis sei die «größte Veränderung im Fußball seit hundert Jahren», meinte er. Der VAR sei eine Entwicklung, die stetig weitergehen werde. Jenen, die behaup...

17.01.2020 21:05 Uhr | Quelle: WahreTabelle 1. Bundesliga: Aytekin pfeift Eröffnungsspiel – Dankert zum Topspiel in Leipzig

1. Bundesliga: Dankert zum Topspiel in Leipzig - Aytekin pfeift Eröffnungsspiel

Aytekin.jpg_1579292191.jpg

Bastian Dankert pfeift zum Rückrundenauftakt das Topspiel zwischen Herbstmeister RB Leipzig und Aufsteiger Union Berlin. Am 7. Spieltag verlor Union bereits unter Dankert mit 0:1 gegen den VfL Wolfsburg. Auch in der Aufstiegssaison 2018/19 gingen die Berliner am 32. Spieltag gegen den SV Darmstadt als Verlierer vom Platz (1:2). Im Eröffnungsspiel Schalke 04 gegen Borussia Mönchengladbach ist Deniz Aytekin im Einsatz. Der 41-Jährige, der in der Hinrunde von den Usern von Wahre Tabelle die beste Durchschnittsnote aller Schiedsrichter bekam, leitet zum zweiten Mal in dieser Saison eine Partie der Gladbacher (1:0 gegen Köln am 4. Spieltag). (yk) Die Schiedsrichteransetzungen des 18. Spieltags im Überblick: ...