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28.01.2021 14:37 Uhr | Quelle: Wahre Tabelle

Schiedsrichterball: Wie lange denn bitte noch?

Eine Analyse der Nachspielzeit 

Johannes Gründel
Johannes Gründel
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Quelle: imago images
Symbolbild: Angezeigte Nachspielzeit

Johannes Gründel
Johannes Gründel

Wer sich am Wochenende die Neuauflage des „El Kackico“ zwsichen dem 1. FC Nürnberg und Hannover 96 ansah, hatte einiges zu bestaunen: Tolle Schüsse, Torwartfehler, Glanzparaden, spielerische Lösungen und vor allem viele Tore. Eines aber gab es nicht zu sehen: Nachspielzeit. So fielen nach der zweiten Halbzeit zwar vier Tore und es wurde neunmal gewechselt (in sechs Wechselfenstern), dennoch pfiff Schiedsrichter Florian Lechner, der in seinem zweiten Zweitligaspiel eine gute Leistung zeigte, pünktlich ab. Und das war auch gut so, weil eine Nachspielzeit für Nürnberg eine Verlängerung des Leids gewesen wäre, während Hannover die verbleibende Spieldauer ohnehin nur noch heruntergespielt hätte.

Aber wie bestimmt sich die Nachspielzeit? Regel 7 weist hierzu an, dass der Schiedsrichter in jeder Halbzeit die Nachspielzeit bestimmt, um Zeit zu kompensieren, die durch verschiedene Ereignisse (Auswechslungen, Behandlungen, persönliche Strafen, Zeitspiel, Videoüberprüfungen etc.) verloren gegangen ist. Unter den sonstigen Ratschlägen weist das IFAB aber auch darauf hin, dass die meisten Unterbrechungen zum Spiel gehören und eine Nachspielzeit nur bei übermäßigen Verzögerungen erforderlich ist.

Die praktische Regelauslegung spricht dem Schiedsrichter hier einen sehr weiten Ermessensspielraum zu. Weiter wird differenziert zwischen verlorengegangener Zeit und schlichtweg vergeudeten Minuten. Verlorengegangene Zeit ist – etwas platt ausgedrückt – die Zeit, in der (übermäßig verzögert) ohne Fremdverschulden nicht gespielt werden kann. Im Profibereich sind das vor allem Verletzungsunterbrechungen und Videoüberprüfungen. Dazu kommen noch die kleinen Spielunterbrechungen, die sich summieren und dann häufig die etwa eine bis zwei Minuten am Ende der zweiten Halbzeit ergeben. Bei diesen Kleinigkeiten agiert man nach Bauchgefühl und persönlicher Linie. Verloren gegangene Zeit muss vom Grundsatz her immer nachgespielt werden.

Auf der anderen Seite steht die vergeudete Zeit. Das ist die Zeit, die durch das Verschulden einer Mannschaft, sprich: Zeitspiel, verloren geht. Die vergeudeten Minuten müssen im Rahmen der Vorteilsbestimmung nachgespielt werden. Wenn beispielsweise der 1.FC Nürnberg gegen den FC Bayern München bis zur 85. Minute mit 1:0 führt und aufreizend auf Zeit spielt, die Bayern dann aber durch einen Doppelschlag das Spiel noch drehen, weil der Club mal wieder Club-Dinge tut, dann wäre es Quatsch, dass der FCN noch für sein Zeitspiel belohnt wird. Anders sähe es aber aus, wenn die Führung bis zur Nachspielzeit hält, der vierte Offizielle schon fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt hat und die Bayern dann in der 91. und 92. Minute treffen. Dann müssen die angezeigten fünf Minuten nachgespielt werden, weil die angezeigte Nachspielzeit zwar natürlich verlängert werden darf, nicht aber verkürzt – wenn der Vierte Offizielle auch wirklich die vom Schiedsrichter gewünschte Nachspielzeit anzeigt (vgl. hierzu Regel 6: „Der vierte Offizielle hilft auch: … die Mindestnachspielzeit anzuzeigen, die der Schiedsrichter… nachspielen lassen möchte“, Hervorhebung durch den Kolumnisten). Hier kann es auch zu Missverständnissen kommen, wenn der Vierte Offizielle beispielsweise fragt, „Was machen wir mit der Nachspielzeit?“, der Schiedsrichter antwortet, „keine“, der vierte Offizielle aber „eine“ verstanden hat.

Die Kernfrage, die sich bei der Bemessung der Nachspielzeit stellt, ist aber die, was eine „übermäßige“ Verzögerung ist. Da hat jeder Verband seine eigenen Richtlinien und jeder Schiedsrichter sein eigenes Ermessen. So sind UEFA, FIFA und FA sehr nachspielzeitfreundlich, während der DFB bei sehr vielen Unterbrechungen eher restriktiv ist. Gerade Torjubel wird, wenn er nicht besonders lange dauert, nicht gesondert nachgespielt, weil Tore und Jubel nach DFB-Lesart zum Spiel gehören. Der weit verbreitete Mythos, dass für jedes Tor und/oder jeden Wechsel 30 Sekunden Nachspielzeit gegeben werden sollen, ist nicht wahr.

Ein anderes, eher deutsches Spezifikum ist der oben schon angeklungene Verzicht auf Nachspielzeit bei entschiedenen Ergebnissen. Das ist praxisnah und förderlich, weil es erfahrungsgemäß beiden Mannschaften nicht mehr auf die Nachspielzeit ankommt. Dass am Saisonende auch mal ein Tor entscheiden kann, ist den Schiedsrichtern natürlich auch bewusst, das spielt aber – außer am 34. Spieltag natürlich, wenn es tatsächlich auf ein Tor ankommen sollte – in der Praxis keine Rolle. Denn die Mannschaften haben im Laufe einer Saison 3.060 Minuten reguläre Spielzeit zur Verfügung, da fallen ein paar Minuten nicht ins Gewicht. Hier entscheiden die Schiedsrichter also nach Sinn und Geist der Regeln und ersparen beiden Mannschaften die Nachspielzeit sowie die Verletzungsgefahr in klar entschiedenen Spielen.

Wer sich am Wochenende die Neuauflage des „El Kackico“ zwsichen dem 1. FC Nürnberg und Hannover 96 ansah, hatte einiges zu bestaunen: Tolle Schüsse, Torwartfehler, Glanzparaden, spielerische Lösungen und vor allem viele Tore. Eines aber gab es nicht zu sehen: Nachspielzeit. So fielen nach der zweiten Halbzeit zwar vier Tore und es wurde neunmal gewechselt (in sechs Wechselfenstern), dennoch pfiff Schiedsrichter Florian Lechner, der in seinem zweiten Zweitligaspiel eine gute Leistung zeigte, pünktlich ab. Und das war auch gut so, weil eine Nachspielzeit für Nürnberg eine Verlängerung des Leids gewesen wäre, während Hannover die verbleibende Spieldauer ohnehin nur noch heruntergespielt hätte.

Aber wie bestimmt sich die Nachspielzeit? Regel 7 weist hierzu an, dass der Schiedsrichter in jeder Halbzeit die Nachspielzeit bestimmt, um Zeit zu kompensieren, die durch verschiedene Ereignisse (Auswechslungen, Behandlungen, persönliche Strafen, Zeitspiel, Videoüberprüfungen etc.) verloren gegangen ist. Unter den sonstigen Ratschlägen weist das IFAB aber auch darauf hin, dass die meisten Unterbrechungen zum Spiel gehören und eine Nachspielzeit nur bei übermäßigen Verzögerungen erforderlich ist.

Die praktische Regelauslegung spricht dem Schiedsrichter hier einen sehr weiten Ermessensspielraum zu. Weiter wird differenziert zwischen verlorengegangener Zeit und schlichtweg vergeudeten Minuten. Verlorengegangene Zeit ist – etwas platt ausgedrückt – die Zeit, in der (übermäßig verzögert) ohne Fremdverschulden nicht gespielt werden kann. Im Profibereich sind das vor allem Verletzungsunterbrechungen und Videoüberprüfungen. Dazu kommen noch die kleinen Spielunterbrechungen, die sich summieren und dann häufig die etwa eine bis zwei Minuten am Ende der zweiten Halbzeit ergeben. Bei diesen Kleinigkeiten agiert man nach Bauchgefühl und persönlicher Linie. Verloren gegangene Zeit muss vom Grundsatz her immer nachgespielt werden.

Auf der anderen Seite steht die vergeudete Zeit. Das ist die Zeit, die durch das Verschulden einer Mannschaft, sprich: Zeitspiel, verloren geht. Die vergeudeten Minuten müssen im Rahmen der Vorteilsbestimmung nachgespielt werden. Wenn beispielsweise der 1.FC Nürnberg gegen den FC Bayern München bis zur 85. Minute mit 1:0 führt und aufreizend auf Zeit spielt, die Bayern dann aber durch einen Doppelschlag das Spiel noch drehen, weil der Club mal wieder Club-Dinge tut, dann wäre es Quatsch, dass der FCN noch für sein Zeitspiel belohnt wird. Anders sähe es aber aus, wenn die Führung bis zur Nachspielzeit hält, der vierte Offizielle schon fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt hat und die Bayern dann in der 91. und 92. Minute treffen. Dann müssen die angezeigten fünf Minuten nachgespielt werden, weil die angezeigte Nachspielzeit zwar natürlich verlängert werden darf, nicht aber verkürzt – wenn der Vierte Offizielle auch wirklich die vom Schiedsrichter gewünschte Nachspielzeit anzeigt (vgl. hierzu Regel 6: „Der vierte Offizielle hilft auch: … die Mindestnachspielzeit anzuzeigen, die der Schiedsrichter… nachspielen lassen möchte“, Hervorhebung durch den Kolumnisten). Hier kann es auch zu Missverständnissen kommen, wenn der Vierte Offizielle beispielsweise fragt, „Was machen wir mit der Nachspielzeit?“, der Schiedsrichter antwortet, „keine“, der vierte Offizielle aber „eine“ verstanden hat.

Die Kernfrage, die sich bei der Bemessung der Nachspielzeit stellt, ist aber die, was eine „übermäßige“ Verzögerung ist. Da hat jeder Verband seine eigenen Richtlinien und jeder Schiedsrichter sein eigenes Ermessen. So sind UEFA, FIFA und FA sehr nachspielzeitfreundlich, während der DFB bei sehr vielen Unterbrechungen eher restriktiv ist. Gerade Torjubel wird, wenn er nicht besonders lange dauert, nicht gesondert nachgespielt, weil Tore und Jubel nach DFB-Lesart zum Spiel gehören. Der weit verbreitete Mythos, dass für jedes Tor und/oder jeden Wechsel 30 Sekunden Nachspielzeit gegeben werden sollen, ist nicht wahr.

Ein anderes, eher deutsches Spezifikum ist der oben schon angeklungene Verzicht auf Nachspielzeit bei entschiedenen Ergebnissen. Das ist praxisnah und förderlich, weil es erfahrungsgemäß beiden Mannschaften nicht mehr auf die Nachspielzeit ankommt. Dass am Saisonende auch mal ein Tor entscheiden kann, ist den Schiedsrichtern natürlich auch bewusst, das spielt aber – außer am 34. Spieltag natürlich, wenn es tatsächlich auf ein Tor ankommen sollte – in der Praxis keine Rolle. Denn die Mannschaften haben im Laufe einer Saison 3.060 Minuten reguläre Spielzeit zur Verfügung, da fallen ein paar Minuten nicht ins Gewicht. Hier entscheiden die Schiedsrichter also nach Sinn und Geist der Regeln und ersparen beiden Mannschaften die Nachspielzeit sowie die Verletzungsgefahr in klar entschiedenen Spielen.

Diese News betrifft folgende Schiedsrichter:

Florian Lechner Name : Florian Lechner
Geburtsdatum: 20.04.1991
Ort: Hornstorf

Diese News betrifft folgende Schiedsrichter:

Florian Lechner
Name : Florian Lechner
Geburtsdatum: 20.04.1991
Ort: Hornstorf

09.02.2021 11:55


wahr-heit-sage


Werder Bremen-FanWerder Bremen-Fan


Mitglied seit: 27.02.2018

Aktivität:
Beiträge: 166

Die sollen endlich eine Nettospielzeit einführen. Bei jeder Unterbrechung Uhr anhalten. Dann hat auch das leidige Thema Zeitspiel endlich ein Ende.


Videobeweis abschaffen! Pro Nettospielzeit!


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