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26.06.2013 12:35 Uhr | Quelle: WahreTabelle.de

Schiedsrichterball Spezial: Der ,,worst case"

Kolumne: Johannes Gründel analysiert strittige Szenen - in dieser Folge zum Confederations-Cup in Brasilien.

Johannes Gründel
Johannes Gründel
Ravshan Irmatov / ITA-BRA
Quelle: GettyImages
Treffer zählt: Den Brasilianern um (v. l.) Julio Cesar, Luiz Gustavo, Dante und Marcelo nutzten alle Proteste beim usbekischen Schiedsrichter Ravshan Irmatov nichts.

Johannes Gründel
Johannes Gründel

Beim Confed-Cup-Spiel zwischen Italien und Brasilien (2:4) erlebte Schiedsrichter Ravshan Irmatov aus Usbekistan am Samstagabend eine Szene, die er am liebsten rückgängig machen würde: Ein Italiener wird im Strafraum gefoult und der Referee pfeift sofort und entscheidet auf Strafstoß. Direkt anschließend – zumal kein Spieler das Spielen eingestellt hat – versenkte Italiens Giorgio Chiellini den Ball.

Diese Szene ist schon allein deshalb ärgerlich, da Irmatov mit seinem schnellen Elfmeterpfiff die Chance verpasst hat, sich durch eine hervorragende Vorteilsanwendung auszuzeichnen. Anschließend jedoch beging er einen folgeschweren Fehler: Er erkannte das Tor dennoch an. Diese Entscheidung war nicht nur eine falsche Tatsachenentscheidung, sondern ein Regelverstoß. Der Pfiff des Schiedsrichters unterbricht automatisch und ausnahmslos das Spiel. Was anschließend passiert, ist lediglich für mögliche persönliche Strafen relevant, nicht aber für die Spielfortsetzung oder gar die Anerkennung eines Tores. An dieser Stelle soll keine Ursachenforschung betrieben werden, wahrscheinlich weiß nicht einmal Irmatov selbst, warum er den Treffer dennoch gegeben hat.

Viel mehr möchte ich mich auf die möglichen Folgen eines solchen Regelverstoßes konzentrieren. Er wirkt sich zunächst ganz unmittelbar den Schiedsrichter betreffend insofern negativ aus, als dass er als ein worst case aller möglichen Fehler angesehen wird. Eine Fehlentscheidung durch eine falsche Wahrnehmung ist nur menschlich - und verzeihbar. Wenn ein Schiedsrichter allerdings die Tatsachen richtig wahrnimmt, anschließend aber infolge von Regelunkenntnis die falsche Entscheidung trifft, dann ist das nicht tolerabel - und per se ein schwerer Fehler. Damit steht dieses Verhalten auf einer Stufe mit beispielsweise einem klar falschen Elfmeter – völlig unabhängig davon, welchen Einfluss der Regelverstoß hatte.

Doch warum ist man da so streng? Dies ergibt sich aus den weiteren Folgen, die ein Regelverstoß haben kann. Unter bestimmten Umständen kann ein solcher nämlich – im Gegensatz zu einer falschen Tatsachenentscheidung – zu einem Wiederholungsspiel führen. Und zwar dann, wenn der Regelverstoß unmittelbaren Einfluss auf das Spielergebnis hat. Hätten die Brasilianer also infolge dieses Tores verloren und Einspruch eingelegt, hätten sie durchaus Chancen auf einen zweiten Versuch gehabt, obwohl der Elfmeter für Italien natürlich auch zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit ein Tor ist. Für die Zuschauer natürlich toll – ein zusätzliches, hoffentlich spannendes – Spiel, für den Weltverband FIFA und die beteiligten Teams aber organisatorisch katastrophal. Aufgrund dieser gravierenden Folgen versucht man im Schiedsrichterwesen, Regelverstöße unter allen Umständen zu vermeiden.

Hier sind aber auch die Assistenten und der vierte Offizielle in der Pflicht. Von den drei anderen muss mindestens einer mitbekommen haben, dass Irmatov gepfiffen hat und spätestens anhand der vehementen Proteste der Brasilianer hätte man noch einmal überlegen müssen, ob da alles einwandfrei abgelaufen ist. Hier zeichnet sich ein Weltklasse-Gespann aus: Einer springt für den Fehler des anderen in die Bresche und merzt ihn aus. Schade, dass das im Estádio Manoel Barradas nicht geschehen ist.

Beim Confed-Cup-Spiel zwischen Italien und Brasilien (2:4) erlebte Schiedsrichter Ravshan Irmatov aus Usbekistan am Samstagabend eine Szene, die er am liebsten rückgängig machen würde: Ein Italiener wird im Strafraum gefoult und der Referee pfeift sofort und entscheidet auf Strafstoß. Direkt anschließend – zumal kein Spieler das Spielen eingestellt hat – versenkte Italiens Giorgio Chiellini den Ball.

Diese Szene ist schon allein deshalb ärgerlich, da Irmatov mit seinem schnellen Elfmeterpfiff die Chance verpasst hat, sich durch eine hervorragende Vorteilsanwendung auszuzeichnen. Anschließend jedoch beging er einen folgeschweren Fehler: Er erkannte das Tor dennoch an. Diese Entscheidung war nicht nur eine falsche Tatsachenentscheidung, sondern ein Regelverstoß. Der Pfiff des Schiedsrichters unterbricht automatisch und ausnahmslos das Spiel. Was anschließend passiert, ist lediglich für mögliche persönliche Strafen relevant, nicht aber für die Spielfortsetzung oder gar die Anerkennung eines Tores. An dieser Stelle soll keine Ursachenforschung betrieben werden, wahrscheinlich weiß nicht einmal Irmatov selbst, warum er den Treffer dennoch gegeben hat.

Viel mehr möchte ich mich auf die möglichen Folgen eines solchen Regelverstoßes konzentrieren. Er wirkt sich zunächst ganz unmittelbar den Schiedsrichter betreffend insofern negativ aus, als dass er als ein worst case aller möglichen Fehler angesehen wird. Eine Fehlentscheidung durch eine falsche Wahrnehmung ist nur menschlich - und verzeihbar. Wenn ein Schiedsrichter allerdings die Tatsachen richtig wahrnimmt, anschließend aber infolge von Regelunkenntnis die falsche Entscheidung trifft, dann ist das nicht tolerabel - und per se ein schwerer Fehler. Damit steht dieses Verhalten auf einer Stufe mit beispielsweise einem klar falschen Elfmeter – völlig unabhängig davon, welchen Einfluss der Regelverstoß hatte.

Doch warum ist man da so streng? Dies ergibt sich aus den weiteren Folgen, die ein Regelverstoß haben kann. Unter bestimmten Umständen kann ein solcher nämlich – im Gegensatz zu einer falschen Tatsachenentscheidung – zu einem Wiederholungsspiel führen. Und zwar dann, wenn der Regelverstoß unmittelbaren Einfluss auf das Spielergebnis hat. Hätten die Brasilianer also infolge dieses Tores verloren und Einspruch eingelegt, hätten sie durchaus Chancen auf einen zweiten Versuch gehabt, obwohl der Elfmeter für Italien natürlich auch zu einer gewissen Wahrscheinlichkeit ein Tor ist. Für die Zuschauer natürlich toll – ein zusätzliches, hoffentlich spannendes – Spiel, für den Weltverband FIFA und die beteiligten Teams aber organisatorisch katastrophal. Aufgrund dieser gravierenden Folgen versucht man im Schiedsrichterwesen, Regelverstöße unter allen Umständen zu vermeiden.

Hier sind aber auch die Assistenten und der vierte Offizielle in der Pflicht. Von den drei anderen muss mindestens einer mitbekommen haben, dass Irmatov gepfiffen hat und spätestens anhand der vehementen Proteste der Brasilianer hätte man noch einmal überlegen müssen, ob da alles einwandfrei abgelaufen ist. Hier zeichnet sich ein Weltklasse-Gespann aus: Einer springt für den Fehler des anderen in die Bresche und merzt ihn aus. Schade, dass das im Estádio Manoel Barradas nicht geschehen ist.

26.06.2013 14:49


Hagi01
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Hagi01
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@ Stormfalco

Zitat von Stormfalco
Weiss einer wer der 4. Schiri in dem Spiel war? ist doch meistens einer aus einem anderen Land oder?

Nishimura aus Japan.
Bei der Bewertung der Szene hättest du aber auch das Beispiel aus Deutschland erwähnen können. Vor einigen Jahren gab es in der Bundesliga was ähnliches:

Schiri pfeifft -> Stürmer schießt Tor -> Schiri gibt Tor und behauptet er habe niemals gepfiffen -> DFB-Verhandlung: Wiederholungsspiel -> UEFA: Nein kein Wiederholungsspiel, da Tatsachenenscheidung -> Karriere des Schiris vorbei

(meine das es etwa so abgelaufen ist)

Dafür hat der Platz nicht mehr gereicht

Tatsächlich musste ich auch sofort daran denken, als ich die Szene gesehen habe, allerdings sind die Fälle doch unterschiedlich gelagert. Der Knackpunkt ist hier, dass der Malbranc damals seinen Fehler nicht zugegeben hatte und anschließend noch schwere, unbelegte Vorwürfe gegen die DFB-Spitze geäußert hatte. Dadurch war er als Schiedsrichter nicht mehr tragbar und musste zurücktreten. Die Bewertung des FIFA seinerzeit als "Tatsachenentscheidung" war meines Erachtens nach falsch, das ist ein Regelverstoß. Da ging es wohl um eine sehr restriktive Auslegung, damit es keine Wiederholungsspiele nach Schiedsrichterfehlern gibt.


Ceterum censeo bellum esse finiendum ☮️


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26.06.2013 14:39


der_Schuster
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@ Stormfalco

Zitat von Stormfalco
Weiss einer wer der 4. Schiri in dem Spiel war? ist doch meistens einer aus einem anderen Land oder?

Bei der Bewertung der Szene hättest du aber auch das Beispiel aus Deutschland erwähnen können. Vor einigen Jahren gab es in der Bundesliga was ähnliches:

Schiri pfeifft -> Stürmer schießt Tor -> Schiri gibt Tor und behauptet er habe niemals gepfiffen -> DFB-Verhandlung: Wiederholungsspiel -> UEFA: Nein kein Wiederholungsspiel, da Tatsachenenscheidung -> Karriere des Schiris vorbei

(meine das es etwa so abgelaufen ist)


Ich glaube du meinst diesen Schiri: http://www.ndr.de/sport/fussball/bundesliga/malbranc103.html


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26.06.2013 14:34


Stormfalco
Stormfalco

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Stormfalco
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Weiss einer wer der 4. Schiri in dem Spiel war? ist doch meistens einer aus einem anderen Land oder?

Bei der Bewertung der Szene hättest du aber auch das Beispiel aus Deutschland erwähnen können. Vor einigen Jahren gab es in der Bundesliga was ähnliches:

Schiri pfeifft -> Stürmer schießt Tor -> Schiri gibt Tor und behauptet er habe niemals gepfiffen -> DFB-Verhandlung: Wiederholungsspiel -> UEFA: Nein kein Wiederholungsspiel, da Tatsachenenscheidung -> Karriere des Schiris vorbei

(meine das es etwa so abgelaufen ist)


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